Canon 5D Mark III – Erster Eindruck

Posted by on Apr 1, 2012 in Gear, Testberichte

 

Dieser Post wurde ursprünglich als Guestpost von mir auf technikblog.ch veröffentlicht.

 

Erwartungen an die Mark III

Mit der 5D MK3 lag die Messlatte hoch. Hatte die Mark 2 doch den Markt für Independent Filmmaker revolutioniert und auch in Sachen Bildqualität neue Massstäbe gesetzt.

Nun würde nach über drei Jahren das Nachfolgemodel seinen Dienst antreten.

 

Seit Freitag habe ich die MK3 und ich muss sagen, bisher übertrifft sie meine Erwartungen bei weitem.

 

Ich war, oder eher bin, mit der MK2 sehr zufrieden. Die Bildqualität begeistert mich immer wieder. Trotzdem gibt es einige wenige Punkte die ich an der MK2 verbesserungswürdig finde.

 

Autofokus – Hier liegen Welten zwischen dem Autofokus einer 5D MK2 und z.B. einer 1D (sogar einer alten).

Bei schwachen Lichtverhältnissen ist bei der 5D sehr schnell das Ende der Fahnenstange erreicht.

Gehäuseabdichtung – Ich spare mir hier schon wieder den Vergleich zu zur 1D, da diese einfach nochmals in einer anderen Liga spielt. Aber selbst bei einer Pentax Kamera (Kostenpunkt für das Gehäuse < 1000 €) bekommt man ein super abgedichtetes Gehäuse und auch Nikon, in der MK2 Preisklasse, bietet hier mehr Wetterfestigkeit als die 5D.

Insbesondere der CF-Kartenschacht und die Knöpfe bzw. das Drehrad haben mich immer davor zurückgehalten bei wirklich bösartigem Wetter draussen ungeschützt mit der 5D zu fotografieren.

Serienbilder – Als letzten Punkt steht die Serienbildfunktion auf meiner Liste. Dies ist nicht wirklich ein ausschlaggebendes Kriterium, aber bei Sportfotografie habe ich mir an dem einen oder anderen Turnier das eine oder andere Bild mehr pro Sekunde gewünscht.

 

Als ich das erste Mal sie technischen Daten der MK3 las war ich begeistert, denn alle meiner Kritikpunkte an der Mark 2 wurden verbessert und zwar (fast) immer sehr überzeugend.

 

In Sachen Video hatte ich an der MK2 nicht viel zu kritisieren. Nicht weil es keine Kritikpunkte gäbe, sondern weil ich die Videofunktion bisher nur sehr spärlich genutzt habe.

 

 

Doch nun zur Mark III:

 

 

Die technischen Daten im Überblick:

– 22MP Vollformat CMOS Sensor

– ISO 100-25600 Standard, 50-102,800 Erweitert

– 6 fps Serienbilder

– 1080p 30 fps Video, Stereo Sound via externes Mikro

– 61 Punkte AF System (!!!)

– 63 Zonen iFCL Metering System

– Dual Card Slots für CF und SD Karten

– HDR Modus

 

Erster Eindruck

 

Gehäuse

Der Body fühlt sich im Vergleich zur MK2 ergonomischer an und liegt nochmals besser in der Hand. Von den Abmessungen her hat sich nicht gross etwas geändert. Die MK3 wirkt auf mich jedoch etwas kompakter.

 

Viel getan hat sich (laut Canon) in Sachen Wetterfestigkeit. Eines der grossen Mankos an der MK2 war für mich der überhaupt nicht abgedichtete  CF-Kartenschacht.

Dieser ist nun deutlich vertrauenserweckender. Mit einer 1D ist er noch nicht ganz zu vergleichen, aber wie gesagt ist der Anwende Bereich vielleicht nicht derselbe.

Auch die Knöpfe wurden angepasst. Diese fühlen sich ergonomischer an und sind etwas besser angeordnet. Auch machen sie einen deutlich “dichteren” Eindruck. Das Daumenrad läuft deutlich satter. Auch hinzugekommen ist der Live View Button a la 7D, rechts neben dem Sucher.

Alles in allem sehr solide Verarbeitet und für mich bereit, ohne Bedenken, mit in die Dusche zu kommen 😉

 

 

Weitere Verbesserungen am Gehäuse:

Gesichertes Wahlrad – Um den Modus der Kamera (P, TV, AV, M, etc.) verändern zu können muss man nun einen Knopf in der Mitte des Wahlrades drücken. Sehr praktischer Schutz gegen das ungewollte Umstellen des Modus in der Kameratasche.

 

Rate Button – Man hat nun die Möglichkeit Bilder direkt auf der Kamera mit Sternen (1-5) zu bewerten. Ich weiss noch nicht genau was ich davon halten soll. Sicherlich ist es praktisch Bilder zu markieren, aber wie weit man ein Bild auf dem Display der Kamera bewerten kann muss ich erst noch herausfinden.

 

Autofokus

Mein grösster Kritikpunkt an der MK2 und die mit Abstand die grösste Verbesserung.

Der Autofokus der MK3 ist der gleiche wie im (zukünftigen) Flaggschiff 1Dx und er ist DER HAMMER.

Selbst im Vergleich zur bisherigen 1er Serie ist er nochmals deutlich überlegen.

Ein kompletter neuer Menuabschnitt ist nun für die Konfiguration der Autofokusmessfelder vorgesehen. Hier kann Reaktionszeit, Empfindlichkeit, etc. angepasst oder vorprogrammierte Szenarien verwendet werden.

Mitführen im AI Servo Modus macht richtig Spass. Insbesondere mit der Serienbildperfomance der MK3.

Was die Performance bei geringem Licht angeht verhält sich die MK3 zum Vorgängermodel wie Tag und Nacht. Nicht mehr verzweifelt nach etwas Kontrast auf dem Motiv suchen.

DANKE CANON!

 

Sensor

Beim Sensor hat sich in Sachen Megapixel nicht viel getan. Allerdings hat die MK3 satte zwei Blenden mehr Lichtempfindlichkeit. Schält man die ISO Erweiterung an kommt man auf ISO 102,800 (!!!).

Für jemanden der ausschliesslich im Studio arbeitet mögen 36 Megapixel a la Nikon D800 verlockend sein.

Mir persönlich gefällt Canons Weg hin zu einer “überschaubaren” Anzahl von Megapixeln und dafür eine erhöhte Lichtempfindlichkeit bei weniger Rauschen.

 

Serienbilder

Auch wenn die MK3 im Vergleich zum Vorgängermodell “nur” etwa 2 Bilder pro Sekunde mehr schiesst finde ich den Unterschied sehr merklich.

Mit 6 Bildern pro Sekunde kann man in den meisten Situationen mithalten.

 

Völlig unwichtig: das satte Geräusch des Auslösers in Kombination mit voller Serienbildfunktion kann bei dem einen oder anderen Person glasige Augen und/oder ein breites Grinsen verursachen. Wobei Männer offenbar von diesem Phänomen eher betroffen sind.

 

Video

In Sachen Video habe ich bisher nicht viel getestet. Laut Canon besitzt die MK3 nun die Unterstützung von Timecode, was den einen oder anderen Filmemacher freuen dürfte.

Das Wahlrad wird während einer Videoaufnahme Berührungsempfindlich. So können Einstellungen geändert werden, ohne dass die Tonaufnahme das Klicken aufnehmen würde.

 

Anmerkungen

– Wer RAW fotografiert und noch etwas langsamere Speicherkarten besitzt kann sich schon mal Gedanken über eine Neuanschaffung machen. Selbst mit einer Class 10 Karte (30 MB/s) hält der Serienbildmodus nur einige Bilder. Hier werde ich wohl auf eine der schnelleren Karten umsteigen müssen.

– Adobe Lightroom unterstütz momentan noch nicht das RAW Format der 5D MK3. Dies wird hoffentlich mit dem nächsten Update von Adobe behoben. Inzwischen kann man die RAW Files mit Adobe Photoshop Camera RAW 6.7 in DNGs umwandeln und damit in Lightroom weiterarbeiten.

 

Fazit

Eine super Kamera bei der ich, vllt. abgesehen vom Preis, keine wirklichen Nachteile sehe.

Im Vergleich zu MK2 wurden alle Kritikpunkte (Gehäuse, AF, Serienbilder) zu meiner vollen Zufriedenheit verbessert. Sicherlich könnte der Speicherkartenschacht noch dichter gelöst werden (a la 1D) aber für mich genügt es momentan.

Wünschenswert wäre bei der Videofunktion 60fps bei 1080p und ein clean 1080p HDMI out, aber auch dies ist für mich eher sekundär, da ich die Videofunktion bisher sehr selten genutzt habe.

Alles in allem gibt es von mir eine volle Kaufempfehlung.

2 Comments

  1. Sebastian
    05/04/2012

    Hi Leo,

    danke für den Bericht,sehr schon und kompakt. Wie ist das Rauschverhalten? Besser als bei der MK2? Ich hatte heute morgen ein Vergleich mit der Nikon D800 gelesen und da lag sie ab ISO 800 deutlich vorne.

    VG,

    Sebastian

    • Leo
      05/04/2012

      Hey Sebastian,
      Canon meint ja zwei Blenden mehr Lichtempfindlichkeit im Vergleich zur MK2. Obs wirklich so viel ist… vllt. n bisschen weniger, aber deutlich mehr als bei der MK2.
      Bei 12’800 ISO hat man etwas Rauschen im Bild. Mit wenig Rauschreduzierung in Lightroom 4 sieht gar nichts mehr.
      Hier sind drei Bilder bei 3200 und 12800 direkt aus der Kamera:
      http://bit.ly/HrxElH

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox

Join other followers: